Der Chaos Computer Club ist die größte europäische Hackervereinigung und seit über 25 Jahren Vermittler im Spannungsfeld technischer und sozialer Entwicklungen.

Die Aktivitäten des Clubs reichen von technischer Forschung und Erkundung am Rande des Technologieuniversums über Kampagnen, Veranstaltungen, Politikberatung und Publikationen bis zum Betrieb von Anonymisierungsdiensten und Kommunikationsmitteln.

Der Club besteht aus einer Reihe dezentraler lokaler Vereine und Gruppen.            

Diese organisieren regelmäßige Veranstaltungen und Treffen in vielen Städten des deutschsprachigen Raums.

Der CCC vermittelt seine Anliegen über vielfältige Publikationswege und sucht stets das Gespräch mit technisch und sozial Interessierten und Gleichgesinnten.

Außerdem fordert und fördert er den Spaß am Gerät und lebt damit die Grundsätze der Hackerethik.

Was ist ein Hacker?

Das Jargon-File enthält eine Vielzahl von Definitionen des Begriffes "Hacker", welche hauptsächlich etwas mit technischem Können, einer Freude an der Lösung von Problemen und dem Übertreten von Grenzen zu tun haben. Wenn du aber wissen möchtest, wie man ein Hacker wird , dann sind nur zwei Sachen wirklich wichtig.

Zum einen gibt es eine Gemeinschaft, bestehend aus Programmierern und Netzwerk-"Magiern", deren Wurzeln zurück bis in die Zeit der ersten Minicomputer und den frühesten ARPA-Netz-Versuchen reichen. Die Mitglieder dieser Kultur schufen den Begriff "Hacker". Hacker bauten das Internet, Hacker machten das UNIX Betriebssystem zu dem, was es heute ist, Hacker betreiben das Usenet, Hacker brachten das World Wide Web zum Laufen, Hacker schufen noch viel mehr. Wenn du ein Teil dieser Kultur bist, wenn du zu ihrem Sein und ihrer Entwicklung beigetragen hast, wenn andere Mitglieder wissen wer du bist und dich einen Hacker nennen, erst dann bist du auch wirklich ein Hacker.

Die Hacker-Weltanschauung ist auf der anderen Seite nicht auf die Softwarehacker-Gemeinschaft beschränkt. Es gibt Strömungen, welche die Haltung der Hacker auf andere Dinge, wie Elektronik oder Musik - eigentlich auf die höchste Stufe des Könnens jeder Kunst oder Wissenschaft - übertragen. Software-Hacker erkennen diese verwandten Seelen an und nennen sie gelegentlich ebenfalls "Hacker". Es gibt sogar Stimmen, die sagen, die Einstellung der Software-Hacker sei absolut unabhängig von dem jeweiligen Medium, mit dem sich der Hacker beschäftigt. In dem Rest dieses Textes wollen wir uns jedoch auf die Eigenschaften und Einstellungen der Softwarehacker und ihre Traditionen konzentrieren, welche den Begriff Hacker ins Leben rief.

Cracker

Es gibt noch eine andere Gruppe, die sich lautstark als Hacker bezeichnet, diesen Namen aber in keinster Weise verdient. Es sind Menschen (meist pubertierende männliche Wesen), welche einen Spaß daran haben, in Computer einzubrechen und das Telefonnetz zu zerstören. Echte Hacker nennen diese Leute "Cracker" und wollen mit ihnen nichts zu tun haben. Wirkliche Hacker halten Cracker für ein faules, unverantwortliches und nicht besonders schlaues Pack, denn genauso wenig wie man durch das Knacken von Sicherheitscodes ein Hacker wird, wird man durch das Kurzschließen eines Autos zu einem KFZ-Mechaniker. Unglücklicherweise sind viele Journalisten und Schreiber darauf verfallen, das Wort Hacker als Beschreibung für Cracker zu verwenden; dies verärgert echte Hacker ungemein ...

Der grundlegende Unterschied ist: Hacker bauen Dinge auf, Cracker zerstören sie.

Wenn du ein Hacker werden willst, lies weiter. Wenn du aber ein Cracker werden willst, geh, lies die Newsgroup alt.2600 und bereite dich darauf vor fünf bis zehn Jahre im Knast zu verbringen, nachdem du herausgefunden hast, daß du doch gar nicht so schlau bist, wie du gedacht hast. Und dies ist alles, was ich über Cracker zu sagen habe!

Die Einstellung

Hacker lösen Probleme und bauen Dinge auf, sie glauben an Freiheit und freiwillige, gegenseitige Hilfe. Um als Hacker akzeptiert zu werden, mußt du dich verhalten als hättest du diese Einstellung. Um dich aber so zu verhalten, als hättest du diese Einstellung, mußt du wirklich an sie glauben.

Wenn du nun aber glaubst, die Hacker-Einstellung sei der Schlüssel zu deiner Akzeptanz durch die Gemeinschaft, liegst du falsch. Ein Mensch zu werden, der diese Eigenschaften glaubt und verinnerlicht hat, ist wichtig für dich selbst , sie helfen dir, leichter zu lernen und halten dich motiviert. Genau wie in allen Künsten ist es am effektivsten das Denken der Meister zu imitieren - nicht nur von der Wissensseite, sondern auch von der emotionalen.

Die Welt ist voll von faszinierenden Problemen, die alle nur darauf warten, gelöst zu werden.

Ein Hacker zu sein, bedeutet jede Menge Spaß, aber es ist eine Art von Spaß, die viel Anstrengung erfordert. Sich anzustrengen, setzt Motivation voraus. Erfolgreiche Athleten bekommen ihre Motivation aus einer Art körperlichen Hochgefühls, wenn sie ihre Körper trainieren oder wenn sie sich bis über ihre Leistungsgrenzen hinaus verausgaben. So ähnlich geht es dem Hacker, er muß eine grundlegende Erregung verspüren, wann immer er ein Problem lösen, seine Fähigkeiten erweitern oder seinen Geist trainieren konnte.

Niemand sollte jemals gezwungen sein, ein Problem zweimal zu lösen.

Kreative Köpfe sind wertvoll und selten. Sie sollten nicht darauf verschwendet werden, das Rad noch einmal zu erfinden, wenn doch so viele wunderbare neue Probleme darauf warten gelöst zu werden.

Hacker sind von Natur aus antiautoritär veranlagt. Jeder, der dir Befehle geben kann, kann dich auch davon abhalten das Problem zu lösen, das dich gerade fasziniert - und wird - dies ist einfach die Art, nach der autoritäre Gehirne arbeiten - ein paar furchtbar blödsinnige Gründe finden, damit er dies auch tun kann. Autoritäre Einstellungen müssen bekämpft werden, wo immer sie gefunden werden, damit sie nicht dich und andere Hacker ersticken.

(Dies ist nicht das selbe, wie alle Autoritäten zu bekämpfen. Kinder müssen angeleitet werden und Kriminelle aufgehalten werden. Ein Hacker wird darüber hinaus manchen Arten von Autorität zustimmen und sie akzeptieren, wenn er dadurch etwas bekommt, was für ihn wertvoller ist, als die Zeit, die er mit dem Befolgen der Befehle verbringt. Aber dies ist ein begrenzter, beabsichtigter Handel; aber die Art der persönlichen Unterwerfung, die Autoritäten verlangen, kann man nicht mehr als ein Angebot betrachten.)

Autorität gedeiht auf dem Boden der Zensur und Geheimhaltung, sie mißtraut freiwilliger Zusammenarbeit und freiheitlicher Aufteilung der Informationen - die einzige "Zusammenarbeit", die sie gerne sehen ist diese, die unter ihrer Kontrolle steht. Wenn du also wie ein Hacker handeln willst, mußt du eine instinktive Feindschaft gegenüber Zensur, Geheimhaltung und dem Einsatz von Gewalt oder Betrug entwickeln, und du mußt bereit sein, nach diesem Glauben zu handeln.

Einstellung ist kein Ersatz für Können und Wissen.

Um ein Hacker zu sein mußt du diese Einstellung, wenigstens größtenteils, teilen. Aber eine Einstellung nur zu übernehmen macht dich genausowenig zu einem Hacker, wie sie dich zu einem Rock Star oder hervorragenden Athleten machen wird. Um ein Hacker zu werden, benötigst du Intelligenz, Übung, Hingabe, und du wirst viel harte Arbeit vor dir haben.

Deshalb mußt du lernen, fremden Einstellung zu mißtrauen und Kompetenz jedweder Art zu respektieren. Hacker werden es nicht zulassen, daß Angeber ihre Zeit verschwenden, aber sie verehren Können - besonders Kompetenz im Hacken, aber Kompetenz generell ist auch gut. Kompetenz in gefragten Fähigkeiten, die nur wenige beherrschen ist besonders gut, und Kompetenz in gefragten Fähigkeiten, die geistige Klarheit, Geschicklichkeit und Konzentration erfordern, ist das absolut Beste.

Wenn du Können und Wissen schätzt, wirst du Freude daran haben, sie in dir selbst zu entwickeln - die harte Arbeit und die Hingabe werden von solch einer Intensität sein, daß sie eher einem Spiel ähneln als Schufterei. Dies ist absolut überlebenswichtig, wenn du ein Hacker werden willst.

Grundlegende Hacker Fähigkeiten

Hackereinstellung ist wichtig, aber Hacker-Fähigkeiten sind es noch viel mehr. Einstellung ist kein Ersatz für Können, und es gibt einen Sammlung von Fähigkeiten, welche du unbedingt haben mußt, bevor irgendein Hacker davon träumen wird, dich einen Hacker zu nennen.

Diese Werkzeugkiste des Hackers verändert sich nur langsam. Der Wandel findet in dem Maße statt, indem der technische Fortschritt neue Fähigkeiten erfordert und alte überflüssig macht. Zum Beispiel, ist Maschinensprachprogrammierung früher eine Bedingung gewesen, während HTML bis vor kurzem keine Rolle spielte. Aber Ende 1996 kann man mit ziemlicher Klarheit die folgenden Punkte hinzuzählen:

Die meisten Dinge, die die Hacker-Kultur geschaffen hat, arbeiten außerhalb der Sichtweite des Normalsterblichen, hinter den Mauern von Fabriken, Universitäten, Büros ohne Auswirkung auf das Leben der Nichthacker. Das Web ist die eine, große Ausnahme, das große, glänzende Hackerspielzeug, dessen weltverändernde Eigenschaften sogar Politiker zugeben. Allein wegen dieses Grundes (und wegen vielen anderen noch dazu) mußt du lernen, wie man mit dem Web umgeht.

Das heißt jetzt nicht, daß du nur einen Browser bedienen können mußt ( das kann jeder), sondern, daß du HTML, die Präsentationssprache des Webs, schreiben lernst. Wenn du keine Ahnung hast wie man programmiert, wird dir das Schreiben von HTML ein paar geistige Verhaltensweisen beibringen, die dir beim Lernen einer Programmiersprache helfen werden. So baue dir also deine eigene Homepage.

Aber einfach nur eine Homepage zu haben, ist nicht einmal annähernd genug, um dich zu einem Hacker zu machen. Es gibt Tausende Homepages im Web. Die meisten sind sinnloser, gehaltloser Dreck - zugegeben, sehr schicker Dreck, aber doch nichts anderes als Dreck (mehr über dieses Thema gibt's auf der The HTML Hell Page).

Um betrachtenswert zu sein muß deine Seite Inhalt haben - sie muß interessant und/oder nützlich für andere Hacker sein, was uns auch schon wieder zum nächsten Thema bringt...

Status in der Hackergemeinschaft

Wie in den meisten Kulturen ohne Geldwirtschaft, basiert die Hackergemeinde auf Ruf und Ansehen der Mitglieder. Du versuchst interessante Probleme zu lösen, aber wie interessant und wie gut deine Lösungen wirklich sind, entscheiden nur diejenigen, die dir ebenbürtig oder überlegen sind.

Folglich wirst Du, wenn du den Hacker-Weg wählst, lernen müssen dich hauptsächlich auf Grunde der Achtung und der Haltung der anderen Hacker gegenüber deinen Fertigkeiten einzuschätzen (deshalb bist du auch kein Hacker, solange andere Hacker dich nicht so nennen). Diese Tatsache wird durch das Bild des Hacker als Einzelgängers und dem Hacker-Tabu, daß das Ego oder Wertschätzung von anderen Menschen überhaupt in irgendeiner Weise einen Einfluß auf die Motivation eines Einzelnen haben könnten (mittlerweile abflauend, aber immer noch existent), getrübt.

Im Fachjargon ist die Hacker-Gemeinde das, was die Antropologen eine Geschenk-Kultur nennen. Status und Anerkennung können in ihr weder durch Beherrschung von anderen Menschen, noch durch Schönheit, Besitz usw. erreicht werden, sondern nur, indem man Dinge freiwillig weggibt. Genaugenommen, indem du deine Zeit, Kreativität und Ergebnisse deiner Fähigkeiten mit anderen Menschen teilst.

Veröffentliche nützliche Informationen

Eine andere gute Sache ist es, interessante und nützliche Informationen zu sammeln und diese in Form von Web-Seiten oder FAQs (Frequent Asked Questions - Häufig gestellte Frage) verfügbar zu machen.

Hilf mit, die Infrastruktur am Leben zu halten

Die Hackerkultur (und die technische Weiterentwicklung des Internets insbesondere) lebt von der Arbeit von Freiwilligen. Es gibt einen Haufen unrühmlicher Arbeit, die getan werden muß, damit alles weiter gehen kann: Betreuen von Mailinglisten, Moderieren von Newsgroups, Warten von großen Software-Archiven, Entwickeln von RFCs und anderen technischen Standards, sind nur die bekanntesten Beispiele.

Hilf der Hackerkultur

Schließlich und endlich, kannst du helfen, indem du das Hackertum propagierst (indem du z.B. genaue Anleitungen schreibst, wie man ein Hacker werden kann :-)). Dies ist etwas, zu dem du erst in der Lage sein wirst, wenn du schon eine Weile dabei und bekannt für eine der ersten vier Dinge geworden bist.

Die Hackerkultur kennt keine Anführer, aber es gibt Helden der Kultur, Geschichtsschreiber und Sprecher. Wenn du lange genug im Schützengraben lagst, mag es sein, daß du in eine dieser Positionen hinein wächst. Achtung: Hacker mißtrauen zu viel offensichtlichem Selbstbewußtsein bei ihren Oberen, weshalb es gefährlich ist offenkundig nach diesem Ruhm zu streben. Anstatt dafür zu kämpfen, solltest du dich lieber so anstellen, daß sie dir ganz von selbst in den Schoß fällt, und dann sei bescheiden und dankbar für deinen Status.

Die Hacker/Nerd Verbindung

Aller landläufigen Meinungen zum Trotz mußt du kein Nerd sein, um ein Hacker werden zu können. Natürlich kann es ziemlich nützlich sein, und viele Hacker sind in der Tat Nerds. Ein sozialer Grenzfall zu sein, kann dir helfen, dich auf die wichtigen Dingen wie Hacken und Denken zu konzentrieren.

Aus diesem Grund haben viele Hacker die Bezeichnung 'Nerds' für sich selbst angenommen oder benutzen sogar den noch härteren Begriff 'Geek' wie eine Art Auszeichnung - es bedeutet für sie oft die Unabhängigkeitserklärung vom sozialen Normalbild der Alltagsgesellschaft. Schau dir die Wikipedia Gee Geek Seite an, um mehr zu erfahren.

Wenn du es schaffst, dich genug aufs Hacken zu konzentrieren, darin gut zu sein und auch noch ein normales Leben zu führen, ist das natürlich super. Dies ist heute viel einfacher als es war, als ich ein Newbie war; die Alltagskultur ist heute viel freundlicher zu Technik-Nerds als sie es damals war. Es gibt sogar eine steigende Anzahl von Menschen, die bemerken, daß Hacker oft eine sehr gute Partie als Freund/Freundin/Ehefrau/Ehemann abgeben. Mehr Informationen gibt's hier: Girl's Guide to Geek Guys

Wenn du hacken möchtest, weil du kein Leben oder keinen Sinn im Leben hast, ist das auch in Ordnung - du wirst wenigstens nie das Problem haben, daß du dich nicht mehr konzentrieren kannst. Vielleicht wirst du später deinen Zugang zum Leben, vielleicht sogar durchs Hacken, finden.

Zusätzliche Faktoren bezüglich des Stils

Nochmal, um ein Hacker zu sein, mußt du die Hacker Gedankenwelt betreten. Es gibt ein paar Sachen, die du tun kannst, wenn du keinen Zugang zu einem Computer hast. Sie sind kein Ersatz für das Hacken (es gibt nichts, was wirklich ein Ersatz wäre) aber viele Hacker tun sie und haben das Gefühl, daß diese Dinge eine Art besitzen, die sie dem Hacken verwandt macht.

Je mehr Dinge du von bereits tust, desto wahrscheinlicher ist es, daß du von Natur aus ein Hacker bist, oder zumindest dafür veranlagt bist. Warum es gerade diese Dinge sind, ist bis heute nicht genau geklärt, aber sie scheinen mit einer Kombination aus Denkprozessen der rechten und linken Gehirnhälfte zu tun zu haben, welches wichtig zu sein scheint ( Hacker sind gezwungen sowohl logisch zu begründen, als auch in der Lage zu sein, aus der unmittelbaren Logik der momentanen Betrachtung des Problems auszuscheren).

Schließlich noch ein paar Dinge, welche du nicht tun solltest:

Benutze keine dummen, grandiosen Benutzer- oder Bildschirmnamen.

Laß dich nicht in FlameWars im Usenet (generell nirgendwo) verwickeln.

Nenne dich nicht "Cyberpunk", und verschwende keine Zeit mit irgend jemanden, der sich so nennt.

Schreibe keine e-Mails oder News-Beiträge, die voll von Rechtschreibfehlern oder schlechter Grammatik sind.

Das Einzige was dir zuteil werden wird, wenn du dich so verhältst, ist Spott. Hacker vergessen nicht so schnell - es könnte Jahre dauern, bis du es wieder ausgeglichen hast.

Text Chaos Computer Club e.V.  www.ccc.de